Rettung des Abendlandes: Mein Brief an Präses Manfred Rekowski

„Montagsparolen sind die plumpe Fälschung, hinter denen die Süppchenkocher ihren Nationalismus, Rassismus und ihre Fremdenfeindlichkeit verstecken.“ Der Präses der evangelischen Kirche, Pastor Manfred Rekowski, zieht mit diesen Worten mächtig vom Leder.

Der Geistliche  meint offenbar Pegida, auch wenn dieser Begriff in seiner Moralpredigt, veröffentlicht in der Rheinischen Post,  nirgendwo auftaucht. Und er stellt fest:  „Rettung des christlichen Abendlandes – ein böser Etikettenschwindel“.  Wer Kreuze durch die Straßen trage, habe für Nothilfe keine Hand mehr frei.  Statt dessen: „Helft den Flüchtlingen! Aufnahme aller Migranten!“  So geschrieben  am 25. April 2015.

Hier der ganze Text:

http://www.rp-online.de/politik/deutschland/kolumnen/gott-und-die-welt/rettet-das-abendland-helft-den-fluechtlingen-aid-1.5042234

Präses Manfred Rekowski in der Rheinischen Post vom 25. April 2015

Präses Manfred Rekowski in der Rheinischen Post vom 25. April 2015 (Klicken zum Vergrößern)

Ich fühle mich direkt angesprochen. Und so komme ich der Aufforderung in der Fußnote, dem Autor meine Meinung zu schreiben, umgehend nach:

Sehr geehrter Herr Präses Manfred Rekowski,

    ich fühle mich durch Ihren Beitrag in der Rheinischen Post vom 25. April betroffen und übel verunglimpft: Wer schwarz-rot-goldene Kreuze durch die Straßen trägt, hat für Nothilfe aber keine Hand mehr frei.  Meine Frau und ich, wir  zahlen  jährlich einen vierstelligen Betrag an evangelischer Kirchensteuer.  Hinzu kommt ein ebenfalls vierstelliger Betrag, der sich aus Spenden für wohltätige  Organisationen zusammensetzt: Misereor, Brot für die Welt, Ärzte ohne Grenzen, Cap Anamur, Aktion pro Humanität, Katastrophenhilfe. Die Aufzählung ist nicht vollständig.

 Jawohl, ich war bei einer  Pegida-Veranstaltung  dabei und ich stehe dazu. Übrigens: Der Begriff „christlich“ kommt im Akronym PEGIDA  nicht vor. Ich habe dort auch kein Kreuz vor mir her getragen. Ich war dabei  um zu demonstrieren gegen die Untätigkeit der Politik gegenüber importierter Gewaltkriminalität und Parallelgesellschaften, die unserem Rechts- und Wertesystem zuwiderlaufen. Als vertiefende Lektüre zu diesem Themenkomplex empfehle ich Ihnen die Publikationen der Jugendrichterin Kirsten Heisig sowie des SPD-Bürgermeisters Heinz Buschkowsky. Auch die Opfer von Migrantengewalt verdienen unser Mitgefühl und unsere Hilfe. Allein Verständnis für die Täter reicht nicht.

 Zu den Flüchtlingen: Natürlich ist es Menschenpflicht, Ertrinkende zu retten. Das steht außer Frage. Aber schauen wir uns die „Flüchtlinge“ genauer an: Wer tausende an Dollar für eine Schlepperbande  bezahlen kann, der gehört in Afrika definitiv nicht zu den Ärmsten der Armen.  Nur ein Gegenbeispiel: In der gleichen Ausgabe der RP vom Samstag steht ein ausführlicher Artikel über das millionenfache Flüchtlingselend im Sudan. Betroffen sind christliche Stämme des Südens , die von ihren islamischen Landsleuten aus dem Norden brutal verfolgt werden. Der Blutzoll: Über dreihunderttausend Tote in den letzten zehn Jahren. Die wenigsten dieser Entwurzelten können das Geld für die kriminellen Menschenhändler zur Einschleusung nach Europa aufbringen.

 Mit nur wenigen Euros pro Tag können Lebensunterhalt und medizinische Versorgung für eine Familie in Schwarzafrika gesichert werden. Das rechnen uns die Wohltätigkeitsorganisationen glaubhaft vor. Die Betreuung nur eines einzelnen Wirtschaftsflüchtlings hierzulande  kostet hingegen ein Vielfaches. Abgesehen davon wäre es sinnvoller, wenn die Milliarden, die sich die kriminellen Schlepperbanden alljährlich in die Taschen stopfen, den armen Volkswirtschaften auf dem schwarzen Kontinent zugutekommen würden. Ist es nicht sittlich-moralische Pflicht, begrenzte Geldmittel dort einzusetzen, wo sie die beste Wirkung entfalten?

 Die aufopferungsvolle Arbeit der vielen tausend freiwilligen Helfer, auch kirchlicher Mitarbeiter, die dort unten die Not lindern helfen, wird durch die Wirtschaftsflüchtlinge entwertet. Denn deren Geld, Arbeitskraft und Engagement würde in ihren Heimatländern dringend gebraucht.  Statt dessen bereichern sich Menschenhändler und die, die es bis hierhin geschafft haben, sitzen beschäftigungslos in ihren Unterkünften. –  Auch ich fühle mich als Spender geprellt.       

 Nein Herr Präses, mit bloßen Bibelzitaten aus dem Matthäusevangelium, adressiert an uns zivilisierte Europäer, ist es nicht getan. Damit wird das Problem der afrikanischen Wirtschaftsflüchtlinge nicht gelöst werden. Wir haben auch eine Verantwortung dafür, daß  diese Menschen erst gar nicht die seeuntüchtigen Seelenverkäufer für die gefahrvolle Fahrt über das Meer besteigen. „Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um“. Auch das ist ein Bibelzitat nach der Übersetzung von Martin Luther.-  Wie steht es um den Missionsauftrag der christlichen Kirchen? Dort unten vor Ort, im Herz der Finsternis, im Angesicht der Diktatoren und Kleptokraten? Damit die Menschen erst gar nicht ihre angestammte Heimat verlassen ?  Sicher, das ist unbequem. Und vermutlich sogar gefährlicher als die Fahrt mit einem seeuntüchtigen Schiff.  Aber auch die Apostel begaben sich in Gefahr.  Nicht für sich selber, sondern um des Glaubens und der Mission willen.

 Zurück zum Abendland, das nun leider in weiten Teilen nicht mehr christlich ist. Vor einen halben Jahrhundert wurden die afrikanischen Staaten von den  europäischen Kolonialmächten in die Unabhängigkeit entlassen. Ich erinnere mich noch gut an die damalige Euphorie und den Zukunftsoptimismus, die diesen geschichtlichen Prozess begleiteten. Heute ist Ernüchterung eingekehrt. Die Lebensverhältnisse vieler Menschen auf den schwarzen Kontinent haben sich seitdem verschlechtert;  demokratische Entwicklungen wurden durch korrupte Machthaber erst gar nicht zugelassen. Statt dessen Bürgerkriege, Hunger, Verelendung.  Wagen wir eigentlich, das politisch unaussprechliche zu denken? Dort unten wieder Verantwortung zu übernehmen? Es geht nicht um die Rettung des Abendlandes. Es geht um die Rettung Afrikas und seiner Menschen.

 Mit freundlichen Grüßen

Bernd Ulrich

 

 


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