Greenpeace mordet Baumbabys! Haben die noch alle auf dem Christbaum?

Diesem Douglasienbaby steht ein hoffentlich noch langes Leben bevor

Diesem Douglasienbaby steht ein hoffentlich noch langes Leben bevor

Es war im Frühjahr diesem Jahres, ich war auf dem Weg in den Süden zu meiner alpenländischen Heimat, da hörte ich im Autoradio eine →Nachricht: Aktivisten von Greenpeace rupfen in Bayern massenweise die von der staatlichen Forstverwaltung frisch gepflanzten Douglasien aus und setzen in die leeren Pflanzlöcher  Buchen! Ja, haben die Grünen Frieder noch alle Tassen im Schrank? Etwa in Abwandlung eines alten Schlachtrufes der Revolutionäre: Friede den Buchen, Krieg der →Douglasie?! Ich fühlte mich direkt betroffen: Hatte ich doch im Jahr zuvor in meinem eigenen Wald zusätzlich zu Tanne, Fichte und Lärche ein paar Douglasien gepflanzt. Ich weiß, was die Pflanzarbeit  im Wald, gerade bei der Douglasie, für eine Knochenmaloche bedeutet: Erst mit dem Hohlspaten im oftmals steinigen, steilen und verwurzeltem Waldboden ein ordentliches Pflanzloch ausheben, vorsichtig den jungen Setzling nehmen, bücken, gerade in das Pflanzloch bugsieren ohne die Wurzeln zu knicken, und dann behutsam das Pflanzloch wieder mit dem Aushub verfüllen. Dabei aufpassen, daß die Mineralschicht wieder als erste ins Pflanzloch kommt. Und dann die aufgeworfene Erde um den Setzling wieder vorsichtig antreten. Und all diese Arbeit der fleißigen bayerischen Forstarbeiter war nun umsonst?

Die kräftige borkige Rinde alter Douglasien bietet Käfern und anderen Insekten Unterschlupf

Die kräftige borkige Rinde alter Douglasien bietet Käfern und anderen Insekten Unterschlupf

Fadenscheinige Begründung der Jungs von grünen Frieden: Die Douglasie sei  keine heimische Pflanze! Nanu, warum plötzlich so aggressiv gegen Neuankömmlinge? Wo bleibt die vielbeschworene Toleranz gegen Migranten? Dabei hat sich gerade die Douglasie seit über hundert Jahren wunderbar in unsere Wälder eingelebt, sich integriert und unsere Flora bereichert. Und sie hat im Gegensatz zu anderen Neophyten  keiner anderen Pflanzenart geschadet. Und früher, vor den großen Eiszeiten, vor nicht einmal einer Million Jahren, geologisch gesehen nur einer kurzen Zeitspanne, war diese prächtige Baumart ohnehin auch bei uns weit verbreitet! Zusätzlich peinlich: die an der Stelle der Douglasie von den Greenpeacern eingebrachte Buche braucht  in unserem Land keinen zusätzlichen Schutz. Denn wenn man unsere Wälder sich selbst überlassen würde, dann hätten wir nach ein paar Generationen einen vorherrschenden Buchenbestand. So zumindest wurde es uns auf der Waldbauernschule gelehrt und so zeigt es sich auch in der Natur. Ich persönlich mag Buchen, ich habe selbst ein paar mächtige Exemplare in meinem Wald und bin stolz darauf. Aber eine bedrohte Pflanzenart ist das bestimmt nicht. Da wären andere Gehölze, die in unseren Wäldern selten geworden sind, angebrachter: Etwa die Ulme, die Eibe oder der Speierling.

Alte Douglasie im Deutsch-Luxemburger Naturpark

Alte Douglasie im Deutsch-Luxemburger Naturpark

Die Douglasie ein majestätischer Baum: Das größte lebende Exemplar in unserem Land ist eine Douglasie von 62 Metern. Sie ist schnellwüchsig, bindet somit auch fix viel von dem  bösen CO² und kann obendrein ein Alter von über tausend Jahren erreichen! Und schon nach hundert Jahren hat sie der Luft soviel Kohlendioxyd entzogen wie ein durchschnittlicher PKW  in seinem ganzen Leben ausstößt.  Zudem ist Douglasienholz als dauerhaftes Nutzholz vielseitig verwendbar und geschätzt. Im Gegensatz zur Buche, die leider zumeist als Brennholz im Kamin verfeuert wird.

 Schade, früher war mir Greenpeace mal sympathisch. Aktionen wie etwa zum Schutz der Wale  oder die Kampagnen gegen Treibnetzfischerei in den Ozeanen habe ich selbst über Jahrzehnte mit Spenden unterstützt. Aber hier hat sich ein irregeleiteter Aktionismus das falsche Ziel ausgesucht. Skandalisierung um des Skandals willen, zu dem keine Veranlassung besteht.

Natürliche Selbstaussaat junger Buchen in unmittelbarer Nachbarschaft alter Douglasien

Natürliche Selbstaussaat junger Buchen in unmittelbarer Nachbarschaft alter Douglasien (ca 50m)

Update am 15.10.2012: Stellungnahme von Greenpeace:

Guten Tag Herr Ulrich,

 über die Aktion im April diesen Jahres gab es einige Nachfragen bei uns.Wir haben die Hintergründe dazu auf unserer Homepage veröffentlicht. Vielleicht mögen Sie unsere Argumentation dort nachlesen:

http://www.greenpeace.de/nachrichten/artikel/die_douglasie_retterin_in_der_not/

 Hier noch ein paar Antworten auf häufig gestellte Fragen:

Greenpeace-Aktivisten reißen Bäume aus?

Greenpeace als Umweltorganisation wirft natürlich nicht einfach Bäume auf den Müll. Die Douglasien bekamen nach der Entnahme fachgerecht einem Wurzelschnitt und wurden gegossen.

 Wo sind die Douglasien geblieben?

Zwei Tage später haben wir die Douglasien nach München gebracht. Sorgfältig eingepflanzt in Blumenkübel,wurden die Pflanzen vor dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StmELF) aufgebaut.

Dort wurden sie dann von der BaySF wieder abgeholt. Die Bäume wurden von der BaySF wieder gepflanzt, jedoch nicht in einem Natura 2000 Schutzgebiet.

Am gleichen Tag haben wir bei der Europäischen Union Klage gegen die Bundesrepublik eingereicht:

http://www.greenpeace.de/themen/waelder/nachrichten/artikel/eu_beschwerde_gegen_illegale_forstwirtschaft/

 Warum Douglasien in Natura 2000 Gebieten nicht hingehören:

 Ein großflächiger Douglasienanbau würde die Eigenart, Vielfalt und auch den vegetationsstrukturellen Aufbau der bodensauren Buchenwälder verändern und somit auch das typische Landschaftsbildes gefährden, da er vor allem die Dynamik und den Aufbau der bodensauren Buchenwald nachhaltig verändern würde.

Eine angedachte und zum Teil auch schon durchgeführte grundsätzliche Freigabe des Douglasienanbaues steht dem Schutzzweck eindeutig entgegen. Ein großflächiger Anbau der Douglasie würde die Eigenart des Landschaftsbildes und die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes nachhaltig negativ beeinflussen.

Lesen sie hierzu auch das Gutachten vom Büro für angewandte Waldökologie im Auftrag von Greenpeace:

http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/waelder/Gutachten_fuer_Greenpeace_zu_Douglasienpflanzung_in_Natura2000_April2012.pdf.

oder den Artikel „die Douglasie Retterin in der Not?“ auf unserer Homepage:

http://www.greenpeace.de/themen/waelder/nachrichten/artikel/die_douglasie_retterin_in_der_not/

 Auch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) ist der Auffassung, dass Douglasien den Zustand alter Buchenwälder verschlechtern und schließt ihre Pflanzung in europäischen Schutzgebieten aus. Das BfN fordert sogar, dass bereits gepflanzte Douglasien wieder entfernt werden sollen.

 Ich würde mich freuen, wenn Sie unser Vorgehen nachvollziehen könnten. Wenn Sie weiter Fragen haben können Sie sich gerne erneut an uns wenden.

 Freundliche Grüße

R.C.  Team Informations- und Fördererservice

Ich habe daraufhin die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft – LWF angeschrieben und um Bestätigung der von Greenpeace gemachten Angaben geboten. Dort wurde ich weiterverwiesen an das  Referat am Ministerium in München, Team „Forstliche Information“.

Stellungnahme des Ministeriums am 19.10.2012:

Sehr geehrter Herr Ulrich,

 zur Aktion von Greenpeace vom 10. April 2012, bei der im Spessart-Forstbetrieb Rothenbuch der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) von den Aktivisten knapp 2000 gepflanzte Douglasien herausgerissen worden waren, kann ich Ihnen mitteilen: Greenpeace hat diese Pflanzen tatsächlich zwei Tage später, am 12. April 2012, vor dem Eingang zum Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in München abgestellt. Der BaySF-Forstbetrieb München hat die Pflanzen übernommen. Bei der Sichtung musste jedoch festgestellt werden, dass beim weitaus größten Teil der Pflanzen das Wurzelwerk so stark eingekürzt war, dass sie verworfen werden mussten. Nur bei wenigen dieser Bäumchen bestand noch eine Aussicht, dass sie am neuen Pflanzort wieder anwachsen können. Diese wurden zum Aufbau gemischter Waldbestände an anderer Stelle neu gepflanzt.

 Die Bayerischen Staatsforsten haben wegen des Übergriffs Strafanzeige erstattet. Eine gerichtliche Entscheidung steht noch aus.

 Mit freundlichen Grüßen

Dr. Stefan N.

Ich selbst antwortete Greenpeace am 12.10. wie folgt:

Sehr geehrte Frau C.,

haben Sie herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Ich bin beruhigt, daß wenigstens (hoffentlich!) die kleinen Douglasien überlebt haben. Ich werde das in meinem Blog-Eintrag korrigieren.

Dennoch bin ich von der Sinnhaftigkeit der ganzen Aktion nicht überzeugt. Die Douglasie selbst, obgleich vor über 100 Jahren bei uns eingeführt, fristet waldbaulich immer noch ein Schattendasein. Eine gute Information gibt es hier: http://www.lwf.bayern.de/veroeffentlichungen/lwf-wissen/59/lwf-wissen-59-07.pdf

Ich selbst bewirtschafte im bayerischen Voralpengebiet in Höhen zwischen 800 und 1000m insgesamt 14 ha Wald, die sich obendrein auf 6 Flurstücke und zwei Landkreise verteilen. Es handelt sich somit um typische Kleinwaldgebiete, wie sie in der bäuerlich geprägten Gegend bei uns häufig anzutreffen sind. Und somit habe ich neben anderen Baumarten auch Douglasien beigemischt. Ob langfristig was daraus wird, das wird die Zukunft zeigen. Zum vorgeblichen anthropogenen Klimawandel will ich mich nicht äußern, das würde den Rahmen dieser Korrespondenz sprengen. Nur so viel: Die gleichen klimatischen Verhältnisse wie heute hatten wir schon im Jahrzehnt von 1790. Aus dieser Zeit haben bei uns auch in Hochlagen ein paar alte Eichen überlebt, die ja bekanntlich wärmeliebend sind. Was die Prognosen des IPPC angeht: Schaun mer mal. Unterhalten Sie sich mal mit einem Meteorologen unter vier Augen.

Gerade in unserer Umgebung (Voralpen) muß man sich vor Verallgemeinerungen hüten. Je nach Bodenzusammensetzung und -beschaffenheit, Höhen-, Tal- oder Schattenlage kann  das Mikroklima, sogar der Niederschlag auf engstem Raum ganz unterschiedlich ausfallen. Somit können sich die Verhältnisse schon im Abstand von einigen hundert Metern gravierend ändern. Waldbau ist eben auch try and error, wie man neudeutsch sagt. Ich selbst bevorzuge, wie die meisten meiner Nachbarn, eine waldbauliche Vielfalt. Das größte Hindernis bei uns sind indessen die viel zu hohen Wildbestände. Besonders gerne verbissen werden neben Tannen und Lärchen und Laubbäumen eben auch Douglasien. Ohne Schutz kommt keine junge Pflanze hoch. Leider wird dieses Jahrzehnte alte Problem in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen: http://www.fvoberbayern.de/?redid=220066

Die Douglasie ist übrigens eine anspruchsvolle Pflanze, wie Sie selbst schreiben. In der Jugend ist sie empfindlich gegen trockene Spätfröste und ab Maßkrugstärke in Brusthöhe sollte man mit der aufwändigen Wertastung anfangen. Denn im Gegensatz zu anderen Nadelbäumen astet sich die Douglasie im dichten Bestand nicht von selbst aus. Hier ist Handarbeit erforderlich damit die Enkel später mal wertvolles Schreinerholz ernten können. Waldbau bedeutet eben immer auch Nachhaltigkeit für kommende Generationen.

Meines Erachtens gibt es wichtigere Dinge, für die sich Greenpeace hier im Land stärker engagieren könnte: Zum Beispiel der Unsinn mit der Energiewende. Hat mal jemand in Ihrer Organisation nachgerechnet, wie viele -zig Tausende Quadratkilometer an Regenwald für die 300 Mrd. Euro, die schon jetzt für Solarstrom verbraten worden sind, hätten gerettet werden können? Dabei wissen sicher auch Ihre Statistiker, daß unser kleines Land gerade mal für 0,5% der weltweiten anthropogenen Co²- Emission verantwortlich zeichnet. Aber wir brauchen gar nicht so weit zu gehen: Wenn ich mir meinen Waldnachbarn anschaue, der, nur um seine hochsubventionierte Biogasanlage zu füttern inzwischen so weit das Auge reicht Mais (im Bergland!) anbaut, dann kann man wegen dieses Irrsinns einfach nur verzweifeln. Nicht nur, daß damit durch konzentrierte Düngung bisher unbelastete Böden und Bäche vergiftet werden. Nein, auch aus dem Umland tuckern bis spät in die Nacht Dieseltraktoren von weit her mit zig-Tonnen schwerer Silo-Fracht den Berg hoch! Ein Umwelt-Irrsinn! Nebenbei: Persönlich verstehe ich mich sehr gut mit dem Sepp. Er nutzt eben nur den Subventionsschwachsinn gewinnbringend für sich und seine Familie aus. So wie das eben auch hunderttausende unserer Mitbürger tun, die sich die Dächer mit chinesischen Solarpanelen zupflastern. Die Politik setzt hier die Rahmenbedingungen.

Aber ich will nicht zu weit abschweifen. Ich werde Ihnen zu gegebener Zeit meinen „Waldzustandsbericht“ zukommen lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Bernd Ulrich



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