Die Männer der Emden

Ein großartiger Historienfilm mit einer phantastischen Story,  wunderschönen Bildern und einer romantischen Liebesgeschichte. Dazu mit einem Hauptdarsteller, der Til Schweiger verblüffend ähnlich sieht.  Die eigentliche Handlung, ein fast unglaubliches Abenteuer, hat sich tatsächlich vor fast hundert Jahren so zugetragen.  Die Premiere fand vor einigen Tagen statt in größten Kinosaal Deutschlands, der traditionsreichen Lichtburg in Essen.  Das Drehbuch beruht  auf einer authentischen Geschichte, die sich vor fast hundert Jahren zugetragen hat: 

http://www.die-maenner-der-emden.de/

Schade, daß der Film von Feuilleton-Journalisten nahezu aller Zeitungen mit keiner Silbe erwähnt wurde. Die Gründe sind offensichtlich der Political Correctness geschuldet. Denn es gab mal eine Zeit in Deutschland, da kannte jedes Schulkind die Geschichte der Emden

Seiner Majestät Schiff Emden

Seiner Majestät Schiff Emden

Kurz zur Handlung:

Da gerät eine Gruppe blauer Jungs im fernen China mitten in die Katastrophe des Kriegsausbruchs von 1914. Vom Tsingtau aus stechen sie mit ihrem Kreuzer in See, gehen auf eine abenteuerliche  Kaperfahrt durch Pazifik und indischen Ozean. Ihr Schiff wird versenkt, es gibt Tote. Eine kleine Gruppe, die zuvor zu einem Kommandounternehmen auf eine Insel abgesetzt wurde, kann nicht mehr auf das Schiff zurück. Sie beschließen, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen und sich mit einem gekaperten Schoner quer durch feindliches Seegebiet sich  in die deutsche Heimat zurück zu schlagen.  Sie landen in der arabischen Küste, bestehen noch einige Abenteuer und treffen nach einer fast einjährigen Odyssee wieder zu Hause ein.

Diese phantastische Geschichte gibt eigentlich genug Stoff für einen Streifen  in Überlänge. Aber selbst der Untergang der Titanic musste seinerzeit filmisch in eine Liebesgeschichte mit Herzschmerz eingerahmt werden. Anders ist eine solche Story dem Kinopublikum heute nicht mehr zu vermitteln. Ein Vorgänger in diesem Genre, der Film →Das Boot, konnte vor über dreißig Jahren noch auf solches Beiwerk verzichten.

Das Historiendrama um die Emden und ihre Besatzung kommt ohne den heute  üblichen  Klamauk aus: Weder spritzt das Blut in Fontänen noch fliegen verstümmelte Gliedmaßen durch die Luft. Und auch die Liebesszenen sind dezent. Da bleibt es bei Andeutungen: Es werden keine schwitzend keuchenden Leiber bei der Ausübung des Aktes in Szene gesetzt.  Die Kameraführung bleibt wohltuend konservativ.

Der Regisseur   hat ein gutes Händchen für subtil unterschwelliges: So etwa die Einstellung, in der die Mannschaft mit gesenkten Köpfen dem Untergang Ihres Schoners zusieht. Es wird nirgends ausgesprochen, aber man spürt es: Seeleute glauben an die Seele eines Schiffes, haben ein fast metaphysischen Verhältnis zu dem Planken, die sie schützend über das Meer tragen und vor dem nassen Tod bewahren. Und so erweisen sie dem alten Schoner bei seiner endgültigen Fahrt in die Tiefe die letzte Ehre.  Oder die Episode, wo am frischen Grab mitten in der Wüste das Lied vom „Guten Kameraden“  angestimmt wird. Fast unwirklich die Szene, wie der Trupp der Heimkehrer hinter der Reichskriegsflagge auf Kamelrücken durch die endlose Weite  der arabischen Wüste der Heimat zusteuert. Aber so war es tatsächlich.

Der Patriotismus der damaligen Zeit mag uns heutzutage fremd, nahezu peinlich erscheinen. Vaterlandsliebe war keine eingetrichterte Pflicht, sondern kam aus ehrlich aufrichtigen Herzen. Und so steht man dem Kameraden bei in der Not, einer für alle, alle für einen. Dieses Bewusstsein vor fast einhundert Jahren stellt der Film eindrucksvoll dar ohne pathetisch zu wirken.  Für eine heutige Generation, in der sich die Solidarität für die Gemeinschaft auf das Zahlen von  Steuern und Sozialabgaben beschränkt, muß das befremdlich, ja fast lächerlich wirken.  Vielleicht ein Grund, weshalb sich Filmkritiker mit diesem Werk schwer tun und deshalb lieber gleich die Finger davon lassen. Denn im Gegensatz zum üblichen Genre werden hier deutsche Soldaten weder  als hohlköpfige, brutale Nazis noch als tapfere Widerstandskämpfer stilisiert. Sondern als Matrosen der kaiserlichen Marine, die sich einem alten Ehrenkodex verpflichtet fühlen und diesem alles unterordnen.

Der Spiegel, jene Hamburger Illustrierte, die sich selbst die moralische Deutungshoheit über die jüngere Deutsche Geschichte anmaßt, hat in ihrer →Online-Ausgabe  einen  übellaunig gehässigen Artikel zum Film  abgelassen. Die Emden und ihre Mannschaft werden (fälschlich)  als Kolonialverbrecher denunziert. Lesenswert sind die →Kommentare kritischer Leser, die sich nicht durch die Polemik ins Bockshorn jagen lassen; sie sprechen für sich. 

Ein Wermutstropfen in dem ansonsten gelungenen Werk: Jene Szene, wo die Emden-Heimkehrer durch die erfundene Figur des Generals Von Leuchtenburg dekoriert wurden. Diese Episode ist nicht nur frei erfunden, sondern auch unvorstellbar. Nur die Marine war „kaiserlich“, nicht das Heer. Undenkbar, daß ein Heeresoffizier  im Kaiserreich die Ordensverleihung an Seesoldaten vorgenommen hätte. Zudem ist die Rolle des Armeegenerals mit →Peter Sodann, bekannt als Leipziger Fernseh-Kommissar, völlig fehlbesetzt. Wie sehr dem Kaiser seine Emden-Fahrer am Herzen lagen offenbart der Umstand, daß diese sämtlich geadelt wurden: Alle erhielten das erbliche Recht, Emden in Ergänzung zu ihrem Nachnamen zu führen. Schade, daß diese Episode  im Nachspann des Films keiner Erwähnung findet. Denn noch heute existiert die „Emden-Familie“ derjenigen, die diesen Namenszusatz tragen: http://www.emdenfamilie.de/wir-ueber-uns.html

Fazit: Ein sehr sehenswerter Film, ein großartiges Kinoerlebnis.

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