Zu Fuß Gehende auf dem Bürgerinnen- und Bürgersteig

FußgängerKein Aprilscherz! Zum 1.4.2013 wurde der Fußgänger abgeschafft! Zumindest laut →Straßenverkehrsordnung. Dort heißt es  jetzt im →§25: Wer zu Fuß geht, muss die Gehwege benutzen. Früher stand da mal Fußgänger. Und im Paragraphen 23 wurde aus dem Fahrzeugführer der Fahrzeugführende.

Schade. Warum nicht Fußgängerinnen und Fußgänger? Oder, wie in Stellenanzeigen üblich, der Nachsatz (m/w) für männlich/weiblich? Statt dessen Ausweichen auf die grammatikalische Form des Partizips, das, dem Himmel sein Dank, in der deutschen Sprache keine geschlechtsspezifischen Endungen hervorbringt.

Letztens hatte ich mich an der Uni Köln als Gasthörer eingeschrieben. Das mir von früher vertraute Studentensekretariat suchte ich allerdings vergeblich. Das war zum Studierendensekretariat mutiert. StudierendensekretariatDie Sprachwissenschaftler haben hierfür den Terminus des „Partizipialmonsters“ geschaffen. So klärt uns Dr. Norbert Dörner in der FAZ vom 25.1.2013 auf:

Partizipialmonster nach Dr. Norbert Dörner

Partizipialmonster nach Dr. Norbert Dörner

Aber es soll noch weiter gehen. Der Spiegel berichtet: In Hannover ist man jetzt dabei, die „Fußgängerzone“ abzuschaffen. Weil „Fußgänger“ männlich ist und „Zone“ militaristisch, wünscht sich die stellvertretende grüne Ratsfraktionsvorsitzende Ingrid Wagemann, dass dieses Wort aus dem Sprachgebrauch gestrichen wird. Frau Wagemann möchte, dass fortan nur noch von „Flaniermeile“ die Rede ist – das sei atmosphärisch besser geeignet, wie sie „Bild“ anvertraute. Hier der volle Wortlaut des →Spiegel.

Amiland und Insulaner,  Ihr habt es besser! The Student ist in der englischen Sprache sowohl für Männlein, Weiblein und sexuell unorientierte  zu gebrauchen.  So wie die meisten angelsächsischen Substantive. Killer, Soldier, Burglar, das alles könnte auch feminin sein.

Ich hätte da einen Vorschlag zur Güte: Schafft einfach die geschlechtsspezifischen Artikel in der deutschen Sprache ab! Benutzt nur noch das Neutrum! So ganz genau nehmen wir es ja jetzt eh schon nicht. Das Weib, seiner Natur nach weiblich, trägt grammatikalisch einen sächlichen Artikel genauso wie das Mannsbild. Unsere →Familienministerin hat ja unlängst „Das liebe Gott“ in den Sprachgebrauch eingeführt.  Gewöhnen wir uns doch an das Hebamm, das Person, das Polizist, das →Grünuch.

Das alles hätte seinen Charme: Pisa-gestresste Schülerinnen und Schülern werden von unnützen Grammatik-Gedöns befreit. Und auch orientalische →Importbräute würden sich beim inzwischen obligatorischen Sprachtest leichter tun.  Und es wäre ja nicht die erste Rechtschreibreform hierzulande.

 Allein, ich habe eine Befürchtung: Unsere sechzehn →Kultusministrierenden werden sich kaum so schnell einig werden. Aber wie wäre es mit der Idee: Lasst einfach die nächste Bundestagswahl ausfallen. Spart Euch Wahlkampf, Plakatkosten und sonstige kostenträchtigen Profilierungen. Geht in die nächste Klappsmühle und bestimmt die künftigen das Volk-zu-Vertretenden per Los! Natürlich unter  Beachtung der Quote. Mehr Blödsinn als unsere  jetzigen Gesetz Gebenden werden die auch nicht produzieren.

Euer

 Bernd

 

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