Kopfschuss: Die Hinrichtung der Schwester

Das Opfer

Das Opfer

7. Februar:  Hatun Sürücü stirbt. Dreimal schießt ihr der Mörder, der eigene Bruder, in den Kopf. Mit gerade mal 23 Jahren ist das Leben der jungen Mutter zu Ende.  An einer Bushaltestelle, mitten in Berlin. Geschehen am 7. Februar 2005; heute vor genau zehn Jahren.

Der Mörder, der im Auftrag der Familie die Schwester umbrachte, rühmt sich bis heute seiner Tat und prahlt damit herum.  Vom Vater bekam er eine goldene Uhr geschenkt. Außer dem Mörder selbst mußte sich niemand vor Gericht verantworten.

Dieser wurde im Juli 2014 vorzeitig nach knapp neuneinhalb Jahren Haft nach Istanbul abgeschoben. Er habe keine Reue gezeigt, und es sei nicht zu erwarten, dass er sich in die hiesige Gesellschaft integriere, hieß es im Ausweisungsbescheid.

Der Fernsehsender RBB strahlte zu nächtlicher Stunde am 4.2.2015 einen Dokumentarfilm zu dem Fall aus. Er ist in der Mediathek unter den folgenden Link abrufbar:

http://mediathek.rbb-online.de/tv/Dokumentation-und-Reportage/Verlorene-Ehre-Der-Irrweg-der-Familie-/rbb-Fernsehen/Video?documentId=26301796&topRessort=tv&bcastId=3822114

Die FAZ kommentierte die Ausstrahlung des Filmes in einem halbseitigen Beitrag wie folgt (Zitat) : Selbstbewusst geben die Brüder Auskunft über ihr ungebrochenes Verständnis von Macht, gewalttätiger Erziehung und Familienehre. Keine Reue hat in diesem geschlossenen Weltbild Platz, kein Mitgefühl: Es sei richtig gewesen, Hatun zu richten, weil sie gemacht habe, was sie wollte. Das dürfe nicht sein, und wenn diese seit Generationen und durch den Islam legitimierte Auffassung von Recht und Gesetz in Deutschland Ärger mache, lebe man besser wieder in der Türkei.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/rbb-dokumentation-der-irrweg-der-familie-sueruecue-13407144.html

Etwas tiefer in den Hintergründen ist der Artikel in der Wochenzeitschrift „Junge Freiheit“ zu dem Fall. Dort wird auch erwähnt, daß die junge Frau offenbar  von den eigenen Brüdern vergewaltigt wurde. Diese Episode wird im Film nicht erwähnt. Der volle Artikel findet am Schluß dieses Blogs.

Ehrenmord. Allein diese Wortschöpfung ist pervers. Was hat ein Mord mit Ehre zu tun? Es hätte jener Institution, die alljährlich über das Unwort des Jahres befindet, gut zu Gesicht gestanden, diese gräßliche Vokabel „Ehrenmord“  auf die Liste ihrer Bannwörter  zu setzen. Aber dies hätte  nicht der politischen Ausrichtung dieses Gremiums entsprochen. Schade.

Gehört der Islam zu Deutschland?   Diese Frage stellt die Rheinische Post in ihrer heutigen Ausgabe dem Althistoriker Heinrich August Winkler. Die Antwort: Der Satz des früheren Bundespräsidenten ist eine Zustandsbeschreibung.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Hier der Text aus der JF:

Der Bruder als Henker (von Fabian Schmidt-Ahmad)

 Berlin: Mit dem Mord an Hatun Sürücü begann vor zehn Jahren die Diskussion über Ehrenmorde

Es war nicht der erste und es war nicht der letzte Mord dieser Art, als vor nunmehr zehn Jahren, am 7. Februar 2005, Hatun Sürücü durch mehrere Kopfschüsse hingerichtet wurde.

Von ihrem Bruder, an einer Bushaltestelle in Berlin. Weil sie die Familienehre verletzt habe. Weil sie so leben wollte wie eine Deutsche. „Wie eine Hure“, wie türkische Schüler in Neukölln damals das Verbrechen guthießen. Und doch bedeutete die Bluttat in Deutschland eine Zäsur. Denn zum ersten Mal wurde bei diesem Mord nicht peinlich berührt weggeschaut. Es wurde auch nicht der kulturelle Hintergrund der Tat ausgeblendet. Und auch die Unfähigkeit der deutschen Justiz, mit dieser Form der Gewalt umzugehen, rückte ins Blickfeld. Der damalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, kritisierte sogar die Unverhältnismäßigkeit, mit der man Gewaltverbrechen mit fremdenfeindlichem Hintergrund beachte, hier aber übergehe.

Der Fall Sürücü steht daher für vieles. Komprimiert bildet er das ganze Elend der deutschen Einwanderungs- und Integrationspolitik ab. Die Eltern, Kerem und Hanim Sürücü, stammten aus einem kurdischen Dorf. Eine unauffällige Familie. Fromm sind sie, verrichten die vorgeschriebene Zahl der Gebete. Obwohl fast alle ihrer neun Kinder in Deutschland geboren wurden, werden sie vor Gericht einen Dolmetscher brauchen. 1982 wird Hatun geboren. Es ist ihre erste Tochter. Mit fünfzehn Jahren wird Hatun mit einem Cousin in der Türkei verheiratet. Die Ehe scheitert. Ebenso eine weitere Beziehung. Hatun legt ihr Kopftuch ab. Sie kehrt mit ihrem kleinen Sohn zu ihren Eltern zurück. Sie trägt wieder ein Kopftuch, legt es wieder ab. Sie ist auf der Suche. Doch was sie findet, hat immer weniger mit dem Leben der Sürücüs zu tun. Sie holt ihren Hauptschulabschluß nach. Sie beginnt eine Lehre als Elektrotechnikerin. Sie hat einen deutschen Freund.

Aus Sicht der Familie hat Hatun Schande über sie gebracht. Hatun sucht immer wieder den Kontakt, es wird ihr zum Verhängnis. Ihr jüngster Bruder Ayhan wird mit achtzehn Jahren zum Henker. Dreimal drückt er aus nächster Nähe ab. Seine älteren Brüder Alpaslan und Mutlu sollen die Mordwaffe besorgt und ihre Schwester in die Falle gelockt haben. Das Gericht kann nichts beweisen. Als der Prozeß neu aufgerollt wird, setzen sich die beiden in die Türkei ab.

Der Vater schenkt dem Mörder eine goldene Uhr

Vor Gericht wird die Familie ausfallend, beleidigt Richter und Staatsanwaltschaft. Gleichwohl volljährig, wird Ayhan zu einer Jugendstrafe verurteilt. Er ist der einzige, der verurteilt wird. Der Vater schenkt ihm eine goldene Uhr. In der Knasthierarchie steht er ganz weit oben, berichten Mithäftlinge. Nach neun Jahren und drei Monaten wird er in die Türkei abgeschoben. Die Pöbeleien gehen weiter. Über Facebook beschimpft Ayhan die Polizei, die Justiz, die Deutschen. Zurück bleibt die Furcht. Nicht nur die Furcht der Mädchen, die in diesen Familien aufwachsen, sondern auch die Furcht der Deutschen. Die Furcht vor Auseinandersetzungen, die Furcht davor, seine Kultur machtvoll durchzusetzen.

Vor allem aber auch die Furcht davor, mit einer Vorstellung konfrontiert zu werden, die man bisher erfolgreich verdrängt hat. Die Vorstellung nämlich von der Blutsreinheit. Eine Einheit, die von der Sippe durch sexuelle Kontrolle gesichert werden muß.

Das steht natürlich als Antrieb hinter diesen Morden. Eine Frau, die sich dem Fremden, dem Blutsfremden, dem Minderwertigen hingibt, sie begeht Frevel am Blut ihrer Sippe. Ein Frevel, der wiederum nur durch Blut gesühnt werden darf. Wie soll dieses Funktionsprinzip archaischer Familienverbände von einer Gesellschaft nachvollzogen werden, die aus ideologischen Gründen gar nicht genug fremde Männer ins Land holen kann und jeden Kritiker mit „Rassismus, Rassismus“-Rufen niederbrüllt? Da sie es nicht kann, da sie unfähig ist, diesen Trieb überhaupt als existent zu akzeptieren, wird sie weiterhin hilfloser Zuschauer bleiben. Auch zehn Jahre nach Hatuns Tod wird die Gesellschaft damit leben müssen. Erst vergangene Woche wurde die Leiche einer 19 Jahre alten Frau gefunden. Erwürgt wurde das Mädchen vom eigenen Vater, wie sich herausstellte. Die Leiche entsorgte die pakistanische Familie gemeinsam auf einer Raststätte bei Darmstadt. Sie wollte den Falschen heiraten. Gegen die Ehre.

Ehre, was für ein großes Wort. Vor Gericht brach im Mordfall Sürücü eine Zeugin in Tränen aus und sagte, Hatun habe ihr angedeutet, von ihrem Bruder vergewaltigt worden zu sein. Auch gegenüber anderen erwähnte Hatun das dunkle Familiengeheimnis. Daß sie überhaupt davon sprechen konnte, zeigte, wie weit sie sich von dem Gruppenbewußtsein ihrer Familie gelöst hatte. Und diese dadurch, ob sie wollte oder nicht, als Gruppe in Frage stellte. Das wurde ihr Verhängnis.

JF 6. FEbruar 2015

JF 6. Februar 2015

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One Comment on “Kopfschuss: Die Hinrichtung der Schwester”

  1. Hans Albrecdht sagt:

    Solange sich die breite Masse der Anhänger des Islam nicht entschieden von solchen Handlungen distanziert, gehört der Islam nicht nur nicht zu Sachsen sondern auch nicht zu Deutschland.

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