Der Migrationsoptimist

ist eine neue Vokabel, auf die ich kürzlich aufmerksam wurde. Nun ist die deutsche Sprache durch das Aneinanderreihen von Substantiven in einem Wort ohnehin enorm ausbaufähig. Auf diese Weise entstehen immer wieder neue Begriffsbildungen. Eine Eigenschaft, die das Deutsche von anderen Idiomen unterscheidet. Man denke nur an so hübsche Wortbildungen wie etwa Donaudampfschifffahrtsgesellschaft oder Hottentottenpotentatenpatentantenattentäter.

Nun bezeichnet der letzte Begriff in einem solchen Wortungetüm immer die eigentliche Sache. Die vorangestellten Vokabeln dienen der speziellen Ausprägung. Und dabei es kommt auf die Reihenfolge an. Ein Migrationsoptimist ist somit nicht zwangsläufig identisch mit einem Optimistenmigranten. Eine Schifffahrtsgesellschaft ist eben auch keine Gesellschaftsschifffahrt. Das muß ein Migrant, bei allen Optimismus, erst einmal begreifen!

migrationsoptimisten

klick!

Nun zur eigentlichen Fundstelle des „Migrationsoptimisten“ im Kontext. Die entsprechende Passage ist einem Kommentar in der FAZ vor einigen Tagen entnommen. Da hieß es unter dem Fragezeichen „Wachstumsschub durch Flüchtlinge“ u.a.: „Es darf bezweifelt werden, dass ein Großteil der Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und aus Afrika wirklich so qualifiziert ist, wie Migrationsoptimisten behaupten. Arbeitsministerin Andrea Nahles stellte jüngst klar, dass nur jeder zehnte Asylbewerber direkt in eine Arbeit oder Ausbildung zu vermitteln sei. Die Sprachbarriere ist hoch. Und unter den Asylbewerbern vom Balkan sind viele Roma mit sehr geringer Ausbildung.“

 Der ganze Text steht hier: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/konjunktur/konjunktur-wachstumsschub-durch-fluechtlinge-13797955.html

Nun hätte der Migrationsoptimist das Zeug zum Wort des Jahres. Funktioniert aber nicht! Denn der Begriff tauchte bereits 2011 in einem Aufsatz des „deutschen Integrationspapstes“ Klaus J. Bade auf:

http://www.migazin.de/2011/09/08/sachverstandigenrat-empfiehlt-zirkulare-migration/

Und somit erleidet der Migrationsoptimist das gleiche Schicksal wie der Biodeutsche: Er schafft es nicht mehr zum Wort des Jahres. Denn der Begriff des Biodeutschen wurde schon vor Jahren von dem Grünenpolitiker Cem Özdemir geprägt. Und hat somit längst Eingang gefunden in den regulären Sprachgebrauch.

Indessen: Optimismus ist eine typisch deutsche Eigenschaft. „Wir schaffen das“ verkündet die Kanzlerin und strahlt vor grenzenlosem Optimismus. Klar, wir sind auch optimistisch, daß die Griechen ihre Schulden zurückzahlen. Daß uns die Energiewende gelingt. Daß schon in fünf Jahren eine Million Elektroautos auf unseren Straßen rollen, usw. usw. Das erinnert mich irgendwie an den März 1945. Da glaubte man im Führerbunker voller Optimismus immer noch an den Endsieg. Die Begriffsbildung „Bunkermentalität“ stammt aus jener Zeit. Kurzum: Optimismus war damals genauso angesagt wie heute.

Wer per Google nach dem Migrationsoptimisten sucht, der erhält nach jetzigem Stand 769 Treffer. Zum Migrationspessimisten werden gerade mal 38 Fundstellen angezeigt. Das passt zu der veröffentlichten Meinung. Denn Migrationspessimisten werden auch schon mal als „Pack“ bezeichnet. Und wer möchte da schon dazu gehören?

Das fragt sich

Euer Bernd

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