Akif Pirinçci: Der vollständige Wortlaut

Die KZs sind ja leider außer Betrieb

Das war vor ein paar Wochen der Aufreger in Medien und Presselandschaft schlechthin. Endlich konnte man es dem ungeliebten Bestsellerautor  Akif Pirinçci mal so richtig geben. Er wünscht sich die Wiederinbetriebnahme von Vernichtungslagern für die einströmenden „Schutzsuchenden“!  Schlimmer geht’s nimmer!

Das ganze hatte nur einen Schönheitsfehler: Es war schlichtweg gelogen. Eine Falschmeldung, von fast allen verbreitet, wider besseres Wissen. Sogar die Berichterstattung der „Zeit“ führte uns in die Irre:

diezeit

„DIE  ZEIT“ vom 22.10.2015

Lediglich die Frankfurter Allgemeine bewahrte kühlen Kopf und stelle schon am 1. November fest:

 „ …  große Teile der Medien haben nicht geschafft, den Kontext richtig wiederzugeben. Die evangelische Nachrichtenagentur epd formulierte in die Irre: „Auf der ,Pegida‘-Demonstration hatte er im Zusammenhang mit der Errichtung von Asylbewerberheimen gesagt: ,Es gäbe natürlich andere Alternativen. Aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb.‘“ „Zeit Online“, „Bild“, „Handelsblatt“, Deutschlandfunk, „Berliner Zeitung“, sie alle verfälschten Pirinçcis Aussage, indem sie den Zusammenhang wegließen oder einen anderen suggerierten.“

Der vollständige Text findet sich hier: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/katzen-des-boesen-akif-pirincci-und-die-medien-13886415.html

Auch meine Lokalpostille, die Rheinische Post, konnte wie viele andere der Versuchung absichtlicher Falschberichterstattung nicht widerstehen. Daraufhin schrieb ich an den Chefredakteur Michael Bröcker persönlich:

 Sehr geehrter Herr Bröcker,

 „Die KZs sind ja leider außer Betrieb“. Dieser aus dem Zusammenhang gerissene Satz bei eine Pegida-Demo suggeriert, daß der Sprecher Akif Pirinçci die Flüchtlinge oder die verantwortlichen Politiker oder auch beide in die Vernichtungslager wünscht. Entsprechend war die Berichterstattung, auch in der Rheinischen Post. Wer den vollständigen Text liest, der erkennt, daß genau diese Interpretation  eben nicht gemeint war.

Es ist bedauerlich, daß die Rheinische Post nicht die vollständige Information im Kontext  an ihre (Ihre) Leser weitergegeben hat.  Über Stil und Inhalt der Rede kann man sicher diskutieren, aber die Aufrichtigkeit in der Berichterstattung darüber sollte dabei nicht auf der Strecke bleiben. Zumal sich Ihre Mitarbeiterin Eva Quadbeck einige Tage zuvor ausführlich zum Terminus „Lügenpresse“ in der RP geäußert hat. Daraus hätte ich eine besondere Verpflichtung im Sinne eines  journalistischen Qualitätsanspruchs abgeleitet.

 Mit freundlichen Grüßen

 Hier die Antwort:

 Sehr geehrter Herr Ulrich,

 Wir stimmen Ihnen bei der Analyse der unsäglichen Pirincci-Rede wirklich nicht zu, diesen Satz konnte man gar nicht aus dem Zusammenhang reißen.Aber was halten Sie davon, wenn wir Ihre Mail auszugsweise als Leserbrief veröffentlichen? 

Die Erlaubnis habe ich ihm dann gerne erteilt, auf den Abdruck in der RP warte ich noch immer. Mir ist nun auch klar, warum: Denn Akif wäre nicht Pirincci, hätte er nicht zurückgeschlagen: Allen Meinungsmachern, die falsch Zeugnis wider ihren Nächsten geredet hatten, flatterten einstweilige Verfügungen ins Haus. Peinlich! Verständlich, daß man da nur noch auf kleiner Flamme weiterkochte.

Der Journalist Roland Tichy gab vor ein paar Tagen eine Zwischenbilanz:

 Ausgerechnet Gregor Mayntz, der Vorsitzende der Bundespressekonferenz musste beidrehen. Er hat Pirinçci in Kommentaren auf den Online-Seiten der Rheinischen Post und der Aachener Zeitung falsch zitiert.…Mayntz wird zukünftig nicht mehr behaupten, Pirinçcis Satz, „Die Konzentrationslager seien leider derzeit außer Betrieb“, beziehe sich auf Flüchtlinge und sei damit als „Aufruf zum Völkermord zu verstehen“.

Vor Mayntz hatte es gerichtlich schon andere getroffen – die Gerichts-Siege, die der Hamburger Presserechtler Joachim Steinhöfel  für Pirinçci durchsetzt, lesen sich wie ein Who is Who der deutschen Medien:

Spiegel online hat sich vor Abmahnung korrigiert und gegenüber den Lesern per e-mail entschuldigt. Nach gerichtlicher Abmahnung korrigierte der NDR seine Veröffentlichung und entschuldigte sich öffentlich. DIE ZEIT, Leipziger Volkszeitung, Kieler Nachrichten und die Hannoversche Allgemeine veröffentlichten Richtigstellungen; die Südwestpresse, das Schwäbische Tagblatt und das ZDF eine Unterlassungserklärung. Die B.Z. in Berlin kassierte eine einstweilige Verfügung. Andere Verfahren sind noch anhängig, etwa gegen die Frankfurter Rundschau; aber auch hier wird sich Pirinçci durchsetzen…die irreführende Darstellung fand grösste Verbreitung“. Zeit online, Bild, Handelsblatt, Deutschlandfunk – alle waren sich einig im Falschen – und müssen sich nun auf Druck korrigieren.

http://www.rolandtichy.de/daili-es-sentials/der-fall-pirincci-jetzt-trifft-er-prominente/

Wolfgang Röhl ergänzte auf dem Blog „Achse des Guten“ zur Causa „Rheinische Post“ mit einem Zitat des Rechtsanwalts:

 RA Joachim Nikolaus Steinhöfel: “Die große Mehrzahl der Medien hat eingelenkt. Öffentlich-rechtliche Anstalten haben sich öffentlich entschuldigt oder Unterlassungserklärungen abgegeben. Eine große deutsche Tageszeitung hat einen halbseitigen Artikel veröffentlicht, in dem die Phalanx der Fehlleistungen aufgelistet und beklagt wurde, ‚dass es die Mehrheit der großen deutschen Medien nicht schafft, eine entscheidende, leicht überprüfbare Tatsache richtig wiederzugeben’. Nein, vor einem solchen Hintergrund wundert mich das flächendeckende Einknicken nicht.”

 Wie aber sah das „Einknicken“ in der Realität aus? Manche Medien verfuhren dabei sehr kreativ. Nehmen wir den Fall „Rheinische Post“. Noch Tage, nachdem die Presse gemeldet hatte, dass Pirincci erfolgreich gegen die Falschberichterstattung von Medien vorgegangen war, war auf der Website der RP der Brachialvorwurf zu finden, es handle sich bei seinem Redetext um einen „Aufruf zum Völkermord in dieser Woche.“

 Von Pirinccis Anwalt zu einer Unterlassungserklärung genötigt, gab die Rechtsabteilung der Mediengruppe Rheinische Post in einem Schreiben nach allerlei Geschwafel die Erklärung ab, „es (…) zukünftig zu unterlassen zu behaupten und/oder zu verbreiten

 die Äußerung des Gläubigers: ‚Die Konzentrationslager seien leider derzeit außer Betrieb’ auf den Umgang mit Flüchtlingen zu beziehen und damit als Aufruf zum Völkermord zu verstehen (…).“

 Eindeutiger Knick also, wenn auch erst nach robuster Rechtsbelehrung. Und was erfuhren aufmerksame RP-Leser von der Historie der erstaunlichen Abschwächung, die das Pirincci-Bashing in der online-Ausgabe der RP erfahren hatten? Einzig und allein dies:

 „Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels konnte der Eindruck entstehen, Pirincci wolle zum Völkermord aufrufen. Dies hat Pirincci nicht gesagt. Wir haben die entsprechende Passage geändert.“

 Der wörtlich und unzweideutig erhobene Vorwurf der RP, Pirincci habe „zum Völkermord in dieser Woche“ aufgerufen, wurde da zu einem „Eindruck“ verniedlicht, der „entstehen konnte“. Der Schwanz am Schluss des geänderten RP-Artikels liest sich beinahe so, als sei der RP-Redaktion selber aufgegangen, welchen Mist sie gebaut hatte. Worauf sie sich, total qualitätspressemäßig wie ihr rheinisches Käseblatt nun mal ist, umgehend korrigierte. Natürlich gab es kein Wort der Entschuldigung.

Soweit mir bekannt, hat bisher kein einziges Presseerzeugnis den vollständigen Wortlaut des Redetextes von Akif Pirinçci am 19.10.  bis zu der inkriminierten Redewendung veröffentlicht. Hier ist er:

Hallo, ich freue mich, daß Ihr alle gekommen seid. Ich wollte eigentlich aus meinem Buch „Umvolkung“ lesen, aber das wäre mir etwas zu billig vorgekommen. Deshalb habe ich eine Originalrede nur für diesen Anlass geschrieben, nur für diesen Geburtstag. Am besten fang ich gleich an.

Der Begriff „Umvolkung“ stammt von den Nationalsozialisten und meint den Bevölkerungsaustausch und die Regermanisierung in den damals von der Wehrmacht eroberten Ostgebieten zugunsten von Volksdeutschen und vor allem damit die Umsiedlung unerwünschter Volksgruppen in die ihnen neu zuzuweisenden Gebiete. Es geht um die Auswechselung einer Bevölkerung gegen eine andere.

Das Hauptmerkmal der Umvolkung ist jedoch ihre absolute Künstlichkeit. Es ist eine realitätsferne Kopfgeburt. Menschen, die durch ein klar definierte Geographie, eine gemeinsame Gruppen- und Ahnengeschichte, einen  Kulturkreis und kollektiven Erinnerungsschatz und last- not least- eine exakt zu lokalisierende Heimat miteinander verschmolzen sind, sollen per ordre de Mufti in ein fremdes Gefilde verfrachtet werden wo sie ihr gewohntes Leben ohne einen Knacks weiterführen  als wäre  nix passiert.

Umvolkung ist nicht mit Ein- oder Auswanderung zu verwechseln. Bei den letzteren handelt es sich um eine freiwillige Entscheidung, die zwar ebenfalls Härten mit sich bringt, aber gleichzeitig mit solch großen Hoffnungen und Freuden verbunden ist, daß die Kröte des Fremdseins in der Ferne geschluckt wird, in der Regel jedenfalls. Wie verwandt der Geist heutiger Politiker, einerlei welcher Partei, mit dem der  Nationalsozialisten ist, sieht man daran, daß sie immer mehr die Maske fallen lassen und zunehmend als Gauleiter gegen das eigene Volk agieren.

Am 14.10. 2015 findet in der nordhessischen Gemeinde Lohfelden,  ca 16.000 Einwohner, ein Informationsabend bezüglich der aktuell erfolgenden Belegung von vorerst 400 Invasoren statt, an dem auch der Regierungspräsident der Stadt Kassel, Dr. Walter Lübcke, CDU, teilnimmt. Als ein Zwischenrufer seinen Unmut über die Errichtung des Erstaufnahmelagers mit den Worten: „Aber das wollen wir nicht“ bekundet, antwortet ihm Lübcke cool: „Wer diese Werte nicht vertritt, kann dieses Land jederzeit verlassen.“ Mit Werten ist gemeint, daß jeder dahergelaufene, der seinen Fuß illegal auf deutschen Boden setzt, das Recht erzwingen darf,  sich bis zu seinem Lebensende und das seines Clans von den Scheißkartoffeln auf Luxusniveau verköstigen zu lassen. Es ist ausgeschlossen, daß der Mann diesen Satz bei der Unmutsäußerung eines sogenannten Schutzbedürftigen über seine missliche Lage von sich gegeben hätte.

 Offenkundig scheint man bei der Macht die Angst und den Respekt vor dem eigenen Volk so restlos abgelegt zu haben, daß man ihm schulterzuckend die Auswanderung empfehlen kann, wenn er gefälligst nicht pariert. Es gäbe natürlich andere Alternativen, aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb.

Allerdings erfolgte diese Ansage mit Vorlauf: Schon am 5. November 2007 empfahl eine Ausländerin mit dem unaussprechlichen Namen Nargess Eskandari-Grünberg von den Grünen, der die Gnade der Aufnahme in ein zivilisiertes Land und eines deutschen Passes zuteil wurde,  anlässlich des Streites um die Errichtung  eines „Allah-hat-den Größten-Tempels“ einem Frankfurt-Hausener: „Wenn Ihnen das nicht passt, dann müssen Sie woanders hinziehen.“ Es war das Paradebeispiel der fütternden Hand, die man trotzdem beißt, und damals ein Skandal erster Güte. Inzwischen jedoch geben sich  die Ausländer, und damit sind zu 99,9% Moslems gemeint, ganz ungeniert und blasen den Deutschen unverblümt den Marsch….

>>>>Ende des Zitates<<<<

Der Redefluß von Akif Pirinçci ging noch weiter, war indessen für die Rezeption in den Medien ohne Belang.

Hier das →Video der Veranstaltung. Die Rede beginnt bei 1:34:30

Nachfolgend Akif Pirinçci im Interview, kurz nach der Veranstaltung. Seine persönliche Internetseite wurde abgeschaltet, seine Bücher sind bei Amazon nicht mehr lieferbar.

http://jungefreiheit.de/debatte/interview/2015/das-ganze-ist-totalitaer/

Nachtrag am 1.12.:

Amazon liefert die Bücher wieder aus, auch Pirinçcis Blog ist wieder erreichbar.

Ein besonders perfides Beispiel lieferte DIE ZEIT. Auf ihrer Titelseite wird Akif Pirinçci  direkt mit dem Messerangriff auf die Kölner OB-Kandidatin in Verbindung gebracht:

diezeit1

 

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2 Kommentare on “Akif Pirinçci: Der vollständige Wortlaut”

  1. Anonymous sagt:

    Und wo finde ich nun den angekündigten vollständigen Wortlaut der Rede des Herrn Akif Pirinçci? Die Kommentare aus der Lügenpresse interessieren mich nicht. Kann mir jemand helfen? klaus.gersdorf@gmx.de

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    • Lieber Klaus,
      unter diesem Link können Sie sich die Rede anhören. Mir ging es nur um den Redetext bis zu der KZ-Äußerung. Aber Sie können den Text gerne, so wie ich es auch gemacht habe, wie im Diktat aus der gesprochenen Rede niederschreiben und hier als Kommentar einstellen. Ich würde dann den Artikel um diesen Text erweitern. Die Rede beginnt im Video bei 1:34:30
      Beste Grüße Bernd

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