Vatertag und Muttertag: Eine Nachlese

Du sollst Vater und Mutter ehren, so lautet das vierte Gebot. Zugegeben: Die Gepflogenheiten von Vater- und Muttertag haben nicht unbedingt etwas mit Religiosität zu tun. Manche empfinden gerade den Vatertag als Verballhornung des hohen kirchlichen Feiertages „Christ Himmelfahrt“.  Und doch: Wir sollten daran denken, daß es auch Väter gibt, die Hilfe benötigen. Wer die Internetseite „Väternotruf“  anklickt,  kann tagelang die Leidenswege der Väter, denen die Kinder entzogen wurden studieren. Der Europäische Gerichtshof für Menschrechte hat zwar einige groteske Auswüchse deutscher Ämter und Justizbehörden korrigiert. Dazwischen lag aber immer ein jahrelanger Kampf um Gerechtigkeit.

Muttertag: Ein Anlaß, auch an jene Mütter zu denken, die es nicht so leicht in unserer Gesellschaft haben und hatten. Zu meinen schönen Kindheitserinnerungen gehören die alljährlichen Sammelaktionen für das Müttergenesungswerk. Jeweils Anfang Mai zogen wir zu zweit als Pennäler los mit unseren Sammelbüchsen und Spendenausweis in die Einkaufszonen unserer Stadt. Artig sagten wir vor den Passanten unser Sprüchlein auf: „Eine Spende für das Müttergenesungswerk?“ Ab dreißig Pfennig bekamen die Spender eine kleine Stoffrose zum Anstecken als Dankeschön für die Freigiebigkeit. Am nächsten Tag wurden die Büchsen beim Klassenlehrer abgegeben. Dann wurde gezählt. Die, die am meisten gesammelt haben, erhielten ein besonders Lob.

Das Müttergenesungswerk gibt es noch immer. Aber ich habe schon seit Jahrzehnten keine Kinder mehr mit den Sammelbüchsen in der Stadt gesehen. Die Zeiten haben sich geändert; es ist wohl zu gefährlich geworden in unseren Fußgängerzonen, gerade für die Kinder.

Auch der Blick auf das Brauchtum von Vater- und Muttertag hat sich gewandelt. Linke Aktivisten rufen gar zu Sachbeschädigungen und Einschüchterung am Vatertag auf, etwa hier: https://linksunten.indymedia.org/de/node/178101  oder hier:  https://linksunten.indymedia.org/de/node/86141

Das Feindbild, wörtlich: „deutsche, heterosexuelle Männer“.

Selbst der eher konservative Focus tönt:

Bitte abschaffen! Mutter- und Vatertag passen nicht mehr in unsere Gesellschaft. 

Aus dem Text: Der Muttertag ist sexistisch. Aha, an so etwas habe ich nie gedacht, wenn ich am Muttertag den Tisch für die Mama gedeckt habe und ihr einen kleinen Strauß mit selbstgepflückten Blümchen in die Hand drückte.

Die Rheinische Post veröffentlichte am Mittwoch vor Vater- und Muttertag unter der Überschrift Frauensache: Die ungute Sehnsucht nach dem Gestern eine Kolumne von Dagmar Rosenfeld, der Angetrauten des FDP-Chefs Christian Lindner. Das reizte mich denn doch zum Widerspruch.  Hier mein Leserbrief:

Sehr geehrte Frau Rosenfeld,

Wenn Ihre  Kolumne Frauensache am Mittwoch vor dem sogenannten „Vatertag“ und dem sonntäglichen „Muttertag“ erscheint, dann hätte ich erwartet, daß  Sie diesen kalendarischen Anlass zum Thema Ihrer Glosse machen würden. Zumal es genug Mütter gibt, die unsere Hilfe bitter nötig haben. Ich denke da insbesondere an Regionen außerhalb von Deutschland und Europa.

Schade drum! Nach einigen wilden Gedankensprüngen in Ihrem Text vom Prenzlauer Berg über Spülmaschinen und Putzlappen hin zu gleichgeschlechtlichen Paaren landen Sie wieder bei Ihrem liebsten Feindbild: Der AfD und ihrem angeblich rückwärtsgewandten Familienbild.  Und nebenbei noch ein  persönlicher Seitenhieb auf die vierfache Mutter, promovierte Chemikerin und selbstbewusste Parteichefin Frauke Petry. Kommt da etwa ein Unmut zum Ausdruck, daß dieser individuelle Werdegang so gar nicht zum insinuierten „rückschrittlichen Gesellschaftsbild“ passt?  

Sie sprechen über ein „Gesellschaftsideal, das in Deutschland vor 80 Jahren schon einmal gegolten hat.“ Aha, da ist sie wieder, die Nazikeule. Nun ja, meine Mutter machte 1938, mithin vor etwa achtzig Jahren, ihr Abitur und studierte anschließend an verschiedenen Universitäten mit hohen Freizeitwert: Würzburg, Graz, Innsbruck, Freiburg. 1943 wurde sie zum Doktor der Medizin promoviert. Ich habe ihre umfangreichen Tagebücher und ihre Briefwechsel aus jener Zeit. Da finde ich nichts von einer Klage über ein „Rollenbild der Frau“. Es ist eine hübsche Legende, daß erst die 68-er die Frauenemanzipation erfunden hätten.

Apropos Spüllappen: Bei uns zu Hause war es der Vater, der neben dem Schuhputzen für die Familie auch den täglichen Abwasch nach dem Essen besorgte. Wir Kinder durften dann das Geschirr und das Besteck abtrocknen.  Spülmaschinen waren in meiner Kindheit noch nicht üblich.  „Familie als wertgebende Einheit“, wie sie es nennen: Ja, das gab es damals tatsächlich. Jeder half mit auf seine Weise. Dazu gehörte auch das gemeinsame  Essen bei Tisch und der sonntägliche Besuch bei Oma und Opa.

Mich überkommt die Ahnung, daß all das Gezeter der kinderlosen Karrierefeministinnen nichts weiter ist als der Neid auf jene Frauen, die in einer erfüllten Mutterschaft ihr persönliches Glück gefunden haben.

Mit freundlichen Grüßen, Bernd Ulrich

Rheinische Post vom 4. Mai 2016

Rheinische Post vom 4. Mai 2016 (Klicken zum Vergrößern)

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One Comment on “Vatertag und Muttertag: Eine Nachlese”

  1. Pascal sagt:

    Hallo Bernd,

    Emanzipierte Mütter gab es schon immer und der Muttertag ist wie der Vatertag ein netter Brauch. Da stimme ich dir zu. Bei gleichgeschlechtlichen Eltern feiern halt zwei Mütter oder zwei Väter den entsprechenden Tag, passt doch auch.

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