Mediale Manipulation: Am Beispiel FAZ

Es ist ein elementares Stilmittel so manch hinterlistiger Manipulation: Zusammenhänge dort zu konstruieren, wo keine sind.

Und wenn es auch nur ein oberflächlicher Sinneseindruck ist: Es wird schon was hängenbleiben. Nach diesem Kalkül entstand ein Wort-Bildbeitrag der früher einmal seriös auftretenden FAZ.   Da springt dem Leser ein großformatiges Foto eines Demonstrationszuges entgegen, auf dem die Reichskriegsflagge der wilhelminischen Kaiserzeit geschwungen wird. Darunter ein Wortbeitrag mit dicken Lettern in der Überschrift: Die AfD und ihr historischer Kenntnisstand.

FAZ vom 13.8.2016

FAZ vom 13.8.2016

Das Ganze hat nur einen Schönheitsfehler: Die Illustration steht in keinem Zusammenhang mit dem darunter stehenden Text. Und die Reichskriegsflagge hat mit dem Logo der AfD nun ebenso viel gemein wie etwa das Banner des IS mit dem bayerischen Staatswappen: Nämlich gar nichts. Das schert den Autor aber nicht im geringsten: Ihm kommt es schlichtweg nur auf die Assoziation an, nämlich daß der unbefangene Zeitungskonsument eine logische Verbindung herstellt zwischen rechtsextremen Demonstrationen  und der AfD.

Dabei kann man nicht einmal den Vorwurf der Lügenpresse erheben: Unter dem Foto findet sich zunächst in Fettdruck: „Unter Beobachtung“. Aha, wird die AfD beobachtet? Nicht doch. Denn weiter geht es im Kleingedruckten: Es handelt sich um eine Demonstration der Partei „Die Rechte“. Schon beachtlich: Nicht nur bei windigen Vertragstexten, sondern auch bei Tageszeitungen kommt es auf das Kleingedruckte an.

die-rechte

Leider ist der menschliche Denkapparat empfänglich für solche manipulierenden Gemeinheiten. Da gibt es etwa das berühmte Beispiel aus dem Bestseller „Die Kunst des klaren Denkens“ von Dobelli : „Gestern kippte mir ein Glas Bier um. Tausend Menschen starben.“  Zwei Aussagen, die beide für sich richtig sind. Automatisch versucht unser Verstand, zwischen diesen beiden gleichzeitig eintreffenden Informationen eine Assoziation herzustellen.  Der führt in diesem Fall natürlich in die Irre. Denn es gibt keinen Sinnzusammenhang.

Wer unsere Medien aufmerksam studiert, der stößt auf so manche Ungereimtheit, wo Text und bildliche Darstellung nicht zusammenpassen. Hier ein anschauliches Exempel aus einer Reportage von n-tv anlässlich des zweiten Jahrestages des Reaktorunglücks von Fukushima:

n-tv-fuku4

Die Manipulation: Tatsächlich zeigt die Abbildung nicht das Atomkraftwerk, sondern eine weit abseits liegende brennende Raffinerie. Ursächlich für den Brand war das Erbeben und nicht etwa ausgetretene Radioaktivität. Aber das focht unsere Katastrophenjournalisten von der  Nachrichtenmanufaktur (so nennen sich tatsächlich die Macher von n-tv) nicht an.

Zurück zur FAZ: Der Artikel über die AfD erschien auch in der Online-Ausgabe, dort allerdings ohne besagtes Bild mit Reichskriegsflagge → hier.

Die Leser (FAZ-Slogan: Dahinter steckt immer ein kluger Kopf) konnten den Beitrag über die AfD  kommentieren. Den größten  Zuspruch erhielt der Kommentar mit der Bemerkung:

Warum wird nicht einfach sachlich informiert? Es ärgert mich einfach zutiefst, wenn Journalisten meinen, mir nicht eine eigene Meinungsbildung erlauben zu können.

kluger_kopf

Aha, da hat offenbar ein kluger Kopf gelesen und seine Meinung kundgetan.

 

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